Wo ich mal zu Hause war

1963 wurde ich als jüngere von zwei Schwestern in Thüringen geboren. Den größten Teil meiner Kindheit verbrachte ich in einem sozialistischen Industriedorf. Es bestand aus zwei große Fabriken, Plattenbauten für die Arbeiterfamilien, zwei Kaufhallen und einer Schule. Ringsherum gab es Wälder, in denen ich mich vor der Zivilisation verstecken konnte. Zunächst als Indianer-Kind, später als barfuß laufendes Hippie-Girl.

Was ich gelernt habe

Meine berufliche Karriere begann ich als Ankleiderin im Eisenacher Landestheater. Danach ging ich nach Leipzig, um Psychologie zu studieren. Meine Leidenschaft galt dem Psychodrama von Jakob L. Moreno. Für meine Diplom-Arbeit habe ich Jungen aus einem sogenannten „Schwererziehbaren-Heim“ um mich geschart, und mit ihnen Freies Improvisationsspiel in selbstgewählten Märchenrollen praktiziert.

Wie ich gescheitert bin

In diesem Heim, das den unvergeßlichen Namen „Heiterblick“ trug, absolvierte ich mein erstes und letztes Berufsjahr als Psychologin. Während ich mit meinen jungen Klienten den „Spartakusaufstand“ als Theateraufführung probte, ging „draußen“ die DDR zugrunde.
Einen Tag nach der Währungsunion meldete ich mich arbeitslos und begann zu schreiben.

Was ich begonnen habe

1991 fing im Leipziger „Haus Steinstraße“ für mich ein aufregendes Leben als Gründerin an. Zusammen mit anderen Enthusiasten gründete ich eine Jugendtheater-Gruppe, einen Theater-Verein, einen Literatur-Verein, organisierte jede Menge Workshops und Kurse und hob die Literaturzeitschrift „Edit- Papier für neue Texte“ aus der Taufe. Auf Edit bin ich besonders stolz. Dank ihres Verjüngungsgeheimnisses ist sie die schönste Literaturzeitschrift Deutschlands geworden. (Mehr Infos hier.) 1994 übergab ich die Redaktion an Jana Hensel und Jo Lendle (Der künftige Ruhm dieser beiden Stars des Literaturbetriebs war damals kaum abzusehen.)

Meine Berliner Jahre als Autorin

1996 zog ich nach Berlin, wo im Aufbau Verlag mein erstes Buch erschien. Mein Debüt „Der Hunger der Kellnerin“ wurde viel besprochen und wenig gekauft. (Das kleine Hardcover war einfach zu teuer.) Zwei Jahre später folgte der Roman „Lügen und Schweigen“ mit ähnlicher Resonanz.
Für mich begann der Existenzkampf einer freien Autorin. Illustre Jobs halfen mir zu überleben. Notoptimistisch bezeichnete ich sie als „bezahlte Recherche“ und setzte meine Erfahrungen in neue Texte um.

Über Buenos Aires nach Hamburg

Um die Jahrtausendwende unternahm ich zwei ausgedehnte Argentinienreisen und wechselte den Verlag. In Folge veröffentlichte dtv-Premium meine Erzählungen „Tangogeschichten“ und 2005 den Roman „Milonga“. Das Feuilleton hat auf meine „Tangobücher“ eher spärlich reagiert. Dafür sind die Verkaufszahlen und die persönlichen Leserfeedbacks im Vergleich zu meinen "Aufbau"-Büchern viel besser geworden.
Eine Tangoliebe war der Grund, warum ich 2001 nach Hamburg zog. Die Liebe ging, ich blieb.


Heraus aus der kreativen Einsamkeit

Bereits in Berlin hatte ich bei der „Werkstatt junger Autoren“ des verblichenen Literaturvereins NGL erste Erfahrungen in der Arbeit mit dem schreibenden Nachwuchs gesammelt. Zugegeben, ich war kaum älter, als die ältesten Werkstatt-Teilnehmer. Doch aufgrund dieser Erfahrung engagierte mich die Hamburger Volkshochschule als Dozentin für Kreatives Schreiben. Inzwischen biete ich auch auf freier Basis Kurse und Workshops zum literarischen Schreiben an.

Außerdem habe ich das Schreiben im Team entdeckt. Sei es als Künstlerin, die sich mit anderen zu einem übergeordneten Thema äußert, ihre Schreibkunst in den Dienst eines größeren Projektes stellt oder Literatur in ein Wechselspiel mit anderen Genren wie Musik oder Malerei bringt.

Bei folgenden Projekten war bzw. bin ich als Textkünstlerin beteiligt:

Installationsprojekt „Het Observatorium“ 1999 in Berlin
(Mehr Infos hier)

Text für das Musical "Hafenengel" mit dem musikalischen Jugendprojekt Lukulule e.V., Auffürhung im November 2005, Kampnagel-Fabrik Hamburg.
Lukulule.

Stand-up-Stories im Kulturkaufhaus Ding Dong, 2006

"Monster in Lübeck", Inszenierung mit arbeitslosen Jugendlichen im Rahmen von "JobAct", Regie Christian Concilius, Premiere Januar 2008

Künstlertrio "Las Esposas Frescas", Musikalisch-literarische Tangoperformance mit Moxi Beidenegl und Donghee Nam (siehe auch Literatur und Musik)

Hörspiele mit Moxi Beidenegl, "Identity", unser erstes Werk, wurde 2009 zum Berliner Hörspielfestival eingeladen

Sommerakademie in der Honigfabrik, Schreibwerkstatt mit Kindern und Jugendlichen aus Hamburg, 2009

"Darf's ein bisschen mehr sein" Theaterstück im Theater "Die 2te Heimat", das unter starker Mitwirkung der beteiligten Schauspieler entstanden ist, Premiere 2009


Weitere Veröffentlichungen

Ich bin mehrfach auf den Hamburger Web-Lesungen zu hören und in verschiedenen Anthologien zu lesen. Unter anderem "Das Hamburger Kneipenbuch" und die Anthologie "Kaffeesatzlesen".

Beim Radiosender MDR-Figaro ist im April 2008 ein Feature über meine Reise nach Panama ausgesendet worden, die ich Anfang 2007 gemeinsam mit Frank McClean unternommen habe.


Neuer Name - neues Genre

2007 habe ich den Jazz-Sänger Frank McClean geheiratet und unter meinem neuen Namen drei Hamburg-Krimis veröffentlicht.
"Das Kind in der Speicherstadt" (2008) "Im Schatten des Geldes" (2009)
und "Tango in den Tod" (2011)


Fünf Freunde und ich
Die Kinderhörspiel-Serie "Fünf Freunde"beruht auf den Erfolgsbüchern von Enid Blyton, hat sich aber schon seit vielen Jahren mit neuen Autoren und Geschichten auf dem Markt etabliert. Seit 2009 habe ich die Ehre, mich als Autorin am Weiterbestehen dieser Serie zu beteiligen. Die erste Folge aus meiner Werkstatt heißt "Fünf Freunde und die verbotenen Blüten" und erschien im April 2010.


Kurzgeschichten von und mit Jugendlichen

Seit dem Erscheinen der Tangogeschichten habe ich den hohen künstlerischen und literarischen Wert der Kurzgeschichte entdeckt. Das Genre zwingt zur Konzentration auf eine Idee, also darauf, sich ganz auf ein bestimmtes Motiv, einen bestimmten Konflikt zu fokussieren.

Seit 2009 leite ich Erzähl-Werkstätten für Jugendliche und rege sie dazu an, eine eigene literarische Idee zu entwickeln, sie auf die Spitze zu treiben und bis zum Ende durchzuschreiben. Für viele junge Autoren ein intellektuelles Abenteuer, von dem sie nachhaltig geprägt werden.
Die Ergebnisse kann man unter anderem auf der Internet-Seite der Hamburger Erzählwerkstatt "Fantastische Teens" lesen.

www.fantastischeteens.de

© Katrin Dorn, 2005