Romane und Erzählungen

von Katrin Dorn



Milonga

Mein Argentinien-Roman erschien im März 2005. Für das Manuskript erhielt ich im Vorfeld den Hamburger Förderpreis für Literatur.
Das Buch hat zwei Handlungsstränge. Klara, die auf der Flucht vor sich selbst nach Buenos Aires fährt, läßt sich kurz vor ihrem Abflug beim Einrichten einer e.mail-Adresse helfen. Der freundliche junge Mann schaut ihr bei der Paßwort-Eingabe genau auf die Finger - und wird damit zum zweiten Helden meines Romans.
Während Klara in Buenos Aires die große Liebe ihres Lebens findet, driftet Bruno von einem Job zum anderen und verliert sich in Affären.
Beide halten sich in Tango-Salons auf. Doch während sich die Berliner Singles mit ihrer Beziehungs-Kompliziertheit herum quälen, bricht in Buenos Aires der Bürgerkrieg aus. Gewalt und Kriminalität beherrscht für eine Weile die Straßen der argentinischen Hauptstadt, was auch meine Heldin Klara zu spüren bekommt.

Katrin Dorn erzählt eine wunderschöne Liebesgeschichte, voller Zärtlichkeit, Sehnsucht, Leidenschaft und Schmerz. Selten hat ein Buch so viel Lust auf mehr gemacht, Lust aufs Tanzen und Reisen, Lust auf Liebe und Leidenschaft, und Lust aufs Weiterlesen.
(Heike Henderson auf www.literaturkritik.de)

Leseprobe:
Sie schwiegen wieder. Wollten sie nicht mehr mit Klara sprechen? War ihre Anwesenheit der Grund, weshalb niemand etwas sagte?
„Entschuldigt mich.“ Klara stand auf, als müsse sie zur Toilette. Sie ging ins Esszimmer. Sie fühlte sich elend. Die Menschen, die dort drüben saßen, kamen ihr entsetzlich fremd vor. Sogar Gustavo.
Sie behandelten sie, als hätte sie eine Krankheit. Zu keinem vernünftigen Gedanken mehr fähig, starrte Klara ins Terrarium. Aber dort regte sich nichts. Die Schildkröten hatten Kopf und Beine zum Schlafen unter ihre Panzer gezogen und lagen wie große Steine auf dem Kies. Jemand öffnete die Tür. Es war Gustavo. Er setzte sich neben Klara und zog sie an sich. Sie wusste nicht, warum er das tat.
„Was hast du eben zu dir genommen?“ fragte sie.
„Eine Schmerztablette.“
„Warum, was hast du?“
„Ich halte eure Schmerzen nicht aus.“
„Das versteh ich nicht.“
Er hob die Schultern. „Das war schon als Kind so bei mir. Wenn sich ein anderes Kind in meiner Nähe das Knie aufgeschlagen hat, dann hat meins so weh getan, das ich heulen musste. Manchmal hab ich sogar lauter geschrieen als das Kind selbst. Ich kann nichts dagegen machen.“
„Und obwohl es nicht deine eigenen Schmerzen sind, nimmst du Tabletten dagegen?“
„Warum denn nicht. Sie helfen mir doch. Nimmst du denn nie welche?“
„Nein. Mir wird schlecht davon.“
„Arme Liebste.“



Tangogeschichten


Von Lesern geliebt, von Kritikern ignoriert. Meine dreizehn Tango-Geschichten erzählen von der Einsamkeit europäischer Singles und den Identitätskonflikten deutscher Emigranten im fernen Argentinien. Tango ist für mich in diesen Geschichten zur Metapher geworden. Er steht für die Suche nach der richtigen Balance zwischen Nähe und Distanz und ist Sinnbild für die kurze Dauer des Glücks und dem Zurückbleiben im Alleinsein.
Als Lied ist Tango eine Kultivierung des Erinnerns und Abschied-Nehmens, eine angenehme Form der Desillusionierung oder wie Carlos Gardel mal gesagt hat, eine Einladung zum Öffentlichen Weinen.
So wie es den argentinischen Tango in verschiedenen Musikrichtungen gibt, habe ich die dreizehn Tango-Geschichten in verschiedenen literarischen Stilen geschrieben. Es sind unterschiedliche Versuche, die traurigen Geschichten so tief zu durchdringen, daß ihre innewohnende Komik erreicht wird.

"Der Tango erzählt vom Schmerz als dem größten, dem unverlangten Geschenk an die Liebe, und niemand erzählt so tröstlich vom Tango wie Katrin Dorn."
Antje R. Strubel

"Das Glück ist hier ein flüchtiger Moment, der immer wieder verloren geht und immer wieder gefunden wird. Die Autorin erzählt mit einem sicheren Gespür für die Charaktere, denen man in und um den Tango begegnen kann. Leicht überspitzt zeigt sie kurze Episoden, die jeweils konsequent aus der Innenwelt der Hauptfigur heraus erlebt werden."
Tango Danza 1/2005

Leseprobe:
Ich fuhr zum ersten Mal in Deine Stadt. Wir gingen zum Tanzunterricht und die Blicke der anderen machten uns zu einem Paar. Der Lehrer zeigte uns einen schwierigen Schritt. Ich sah dich an, und erst jetzt merkte ich, daß ich dich gar nicht kannte. Ich hielt mich an deinen Armen fest. Du versuchtest, die Länge deiner Schritte auf ein gleiches Maß zu bringen. Es gab nichts mehr, was gut war. Nur noch den Wunsch, es könne noch einmal so einfach werden, wie es begonnen hatte. Deine Wechsel zwischen komplizierten Schritten und rasanten Drehungen machten mich traurig. Meine Melancholie machte dich rasend. Wütend versuchten wir, uns über den Verlust des Glücks hinwegzutanzen, und es war uns egal, daß wir uns dabei auf die Füße traten.


Lügen und Schweigen


erschien 2000 im Aufbau Verlag. Mein erster Roman erzählt die Geschichte von Vera, die Ost-Berliner Blumenhändlerin und Freundin eines westdeutschen Psychologie-Studenten. Vera wollte mit Vincent nicht über ihre Eltern sprechen und hat sie deshalb kurzerhand für tot erklärt. Der Roman beginnt, als sie einen Brief von ihrer Mutter erhält, die ihr mitteilt, daß der Vater im Sterben liegt. Ohne weitere Erklärungen macht sich Vera auf den lang vermiedenen Heimweg. In ihrem Dorf lauern Erinnerungen an eine triste Kindheit. Doch auf dieser Reise entdeckt Vera auch den Schlüssel ihres Unglücks.
Zurück von ihrer Reise erfindet Vera für ihren therapiewütigen Freund einen Vater, den sie niemals hatte. Doch ihre Flucht in die Lüge, treibt sie Schritt um Schritt tiefer in ihren inneren Konflikt.
Für das Projekt "Lügen und Schweigen" wurde ich von der Stiftung Niedersachsen mit dem Stipendium "Das zweite Buch" gefördert.
Eine holländische Rezensentin schrieb über den Roman: "Kein deutscher Gegenwarts-Autor hat einen schwärzeren Humor als Katrin Dorn. Ein Lesevergnügen, das einem gleichzeitg Tränen des Mitleids in die Augen treibt."
Leider hat das kein einziger deutscher Rezensent begriffen. Ein ganz Schlauer hat mir sogar einen Schuß Flaubertscher Ironie gewünscht.
"Lügen und Schweigen" ist unter meinen Büchern der Titel, der am meisten besprochen und am wenigsten gekauft wurde. Es lohnt sich, den Titel mit Autorennamen bei Google einzugeben.
Eine der schönsten Besprechungen gab es in der Literaturzeitschrift Neue deutsche Literatur, Nr. 6 / 2000 von Martin Jankowski

"Es ... handelt sich um ein Kammerspiel, ein Kabinettstück mit nur wenigen handelnden Personenen, bei dem das gesellschaftliche Umfeld scheinbar ausgeblendet bleibt, sich aber in den genau beobachteten Details um so intensiver entfalten kann. Diese ausdauernden Nahaufnahmen sind "welthaltig", das hat Erkenntniswert, das bewegt, statt zu unterhalten."

Zitat: "Vincent irrt sich, wenn er denkt, sie würde etwas verdrängen. Sie hat nur keine Lust sich zu erinnern. Es ist nichts passiert in diesem Dorf, aus dem sie stammt. Man kann ja wohl nicht ein Nichts verdrängen. Trotzdem, Vincent zuliebe hätte sie gern eine Geschichte auf Lager, die er aus ihr herausanalysieren könnte."



Der Hunger der Kellnerin

ist 1997 zum ersten Mal im Aufbau-Verlag Berlin erschienen und wurde 2005 von dtv als Taschenbuch herausgebracht. Meine Debut-Erzählung spiegelt die partielle Verstörung wieder, die mir, wie vielen anderen Ost-Deutschen, nach der Wende widerfahren ist. Sie ist aber auch ein typisches Anfängerstück. Ich persönlich mag meinen Erstling inzwischen sehr. Es steckt viel Naivität darin - aber auch so etwas wie die Radikalität der Unschuld. Die sperrige Sprache und eine ziemlich schräge Handlung erzeugen eine sehr besondere Atmosphäre.

"Ein authentisch anmutender, intensiver Text über das Jungsein in einer kalt gewordenen Welt."
Margret Steckel in "Bücher, Livres"

Leseprobe:
Wie kann man denn wissen, was passiert, und nirgendwo hingehen? Soll man sich jeden Tag mit der Zeitung in den Sessel setzen oder aufspringen und sich wieder hinsetzen oder aufspringen und schreien und sich wieder hinsetzen oder aufspringen, zu jemandem laufen, mit ihm streiten und sich wieder hinsetzen, oder aufspringen und zu vielen laufen, eine Demonstration organisieren, sein Reagieren organisieren und sich wieder hinsetzen, sein Gefühl retten, daß man ja wenigstens Mitleid hat, um dann wieder sitzen zu können, und immer wieder Neues lesen, weil man ein Gewissen hat, und oft genug aufspringen, um nachher wieder in Ruhe sitzen zu können? Marta geht in die Küche. Sie knüllt die Zeitung zusammen und wirft sie in den Mülleimer. Sie öffnet den Kühlschrank. Sie schiebt Käse in ihren Hals und Brot hinterher, bis sie die Zeitung nicht mehr hört, die gedruckten Worte, bis das Geschehen hinter diesen Worten verklungen ist unter dem Deckel des Abfalleimers.

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Veronika Dorn - Krimis

von Katrin McClean



Das Kind in der Speicherstadt


Mit Veronika Dorn habe ich eine Ermittlerin erfunden, die mir so ähnlich wie möglich sein sollte. Nicht nur, dass sie meinen vorehelichen Nachnamen trägt. Sie hat auch wie ich Psychologie studiert, war lange Zeit sozial engagiert und ist, ebenso wie ich es im größten Teil meines vorehelichen Lebens war, immer auf der Suche nach dem richtigen Mann.
Zur Polizei kommt sie eher wider Willen, doch schon bald werden ihre psychologischen Fähigkeiten im Fall eines verstummten kleinen Mädchens gebraucht, das neben einer Leiche gefunden wird. Als Psychologin leistet Veronika gute Dienste, als Ermittlerin dagegen macht sie einen Fehler nach dem anderen. Dazu gehört auch die Affäre mit einem Ermittlungskollegen. Dass sie am Ende den Fall dennoch löst, hat mit ihrem sensiblen Gespür und einer ganzen Portion Sportlichkeit zu tun. Und natürlich damit, dass sie ihrem kleinen Schützling das Leben retten will.

Krimi zwischen Ottenser Hauptstraße und Brooktorkai: "Das Kind in der Speicherstadt" von der Hamburger Autorin Katrin McClean. Ihre Profilerin hat das Zeug zur Kultfigur.
Dagmar Fischer, Hamburger Morgenpost



Im Schatten des Geldes

Mein Krimi zum aktuellen Thema Finanzkrise beschäftigt sich ganz mit den Opfern derselben, also mit denen die kein Geld haben, dafür umso dringender welches brauchen.
Doch bevor die Ermittlungen soweit kommen, muss Veronika erst einmal ordentlich kämpfen, denn der Fall der tot aufgefundenen weiblichen Wasserleiche soll schon bald als Selbstmord zu den Akten gelegt werden. Vielleicht liegt ihr Engagement auch daran, dass Veronika die Leiche selbst entdeckt hat, als sie gerade mit ihrem neuen Geliebten am Elbufer kuscheln wollte. Im Alleingang verfolgt sie einen offenbar psychisch gestörten Ehemann und kann ihren Chef Arning schließlich doch vom Mordverdacht überzeugen. Die weiteren Ermittlungen fördern jedoch nach und nach den Hauptfeind der alleinerziehenden Mutter zu Tage - finanzielle Desaster, wohin man blickt. Und irgendwo hinter einem dieser Schuldenberge versteckt sich vielleicht auch der Mörder...
"Für niemanden wird Geld so teuer gemacht, wie für die, die keins haben."
(Bankangestellter Herr Schmidt)


VERONIKAS DRITTER FALL

TANGO IN DEN TOD

"Tango in den Tod" ist mein dritter Krimi beim Hamburger Verlag Ellert & Richter. In ihrem neuen Fall stellt Veronika Dorn ihre Existenzberechtigung im Ermittlungsteam von Gisbert Arning erneut unter Beweis. Ein toter Tangolehrer aus Ottensen wird für sie zum Anlass, in die lokale Tangoszene einzudringen und der Faszination des argentinischen Paartanzes zu erliegen. Und genau diese Schwäche bringt sie auf eine ganz heiße Spur.

Die Krimis erschienen im
Hamburger Verlag "Ellert und Richter"
Bei Amazon kann man sie über diesen Link erwerben.



© Katrin Dorn, 2005